Suche
  • illugraphic

Der persönliche Maskenball

Unser wahres Gesicht zeigen wir oft nicht. Vielmehr setzen wir eine Maske auf, eine freundliche, höfliche, am besten eine, die auf die meisten Menschen sympathisch und angepasst wirkt. Denn niemand möchte auf die Frage "Wie geht es dir?" wirklich die Wahrheit hören.


Vielen Menschen fällt es leicht. Sie haben ein ganzes Arsenal an Masken, auf die sie zurückgreifen können - je nach Situation. Doch was ist eigentlich mit Individuen, die solch einen Tausch nie gelernt haben oder diesen nicht beherrschen?



Gerade Menschen, die besonders erfolgreich und glücklich scheinen, oft die größte Diskrepanz zwischen Maske und Wirklichkeit aufzuweisen. Liegt das an der Sehnsucht nach Anerkennung? Und sind jene Menschen, die sich über Erfolg definieren, am anfälligsten dafür, ein Leben der Selbstverleugnung zu leben? Die Antwort darauf gibt Psychologin Helene Drexler:



"Ja, denn die Orientierung am Erfolg ist eine Außenorientierung. Das heißt, eine Person stimmt nicht mit sich selbst, mit ihrem Inneren ab, was sie denkt und tun will, sondern orientiert sich nach außen. Sie schaut, wie sich erfolgreiche Menschen im Umfeld oder in den Medien verhalten und was MAN tun muss, damit man mitspielen kann. Das bezieht sich auf den ganzen Lebensstil, aber auch auf Persönliches wie die Sprache, das Aussehen, den Umgang mit dem Körper. Dinge werden nicht gemacht, weil es mit einem selbst stimmig ist, sondern weil man damit „in“ ist. Damit wird aber das Eigene, das, was jede Person als Einzigartiges, Individuelles in sich trägt, zugeschüttet. Das Schlimme ist die Eigendynamik, die entsteht. Je länger und intensiver Menschen sich nach außen orientieren und danach leben, umso mehr verlieren sie ihr Gefühl für sich und umso mehr brauchen sie die Außenorientierung."

Vor uns liegt eine Zeit der Besinnung. Ideal um unser Selbstbild und unsere eigene Außenorientierung einmal zu hinterfragen. Wie viele Masken tragen wir eigentlich und welche davon bräuchten wir eigentlich gar nicht?


In diesem Sinne wünsche ich allen Leserinnen und Lesern eine schöne Vorweihnachtszeit.

Quelle: https://www.sein.de/die-maske-ablegen-und-das-eigene-leben-ausgraben/


13 Ansichten